Die Brackstedter Mühle

Hervorragende Daten der Geschichte des Hauses

 Brackstedter Mühle um 1911
BM1900


ab 1434   Wassermühle in Brackstedt

ab 1911   Betrieb als Kaffeegarten

ab 1913   Konzessionierte Gaststätte mit Gartenwirtschaft

ab 1936   Erwerb des Hauses durch Willi und Elisabeth Schulze und somit in Familienbesitz

1956        Bau der ersten Gästezimmer

1965        Erweiterung der Gästezimmer, Bau der 1. Kegelbahn

1972        Weiterfühurng der Gaststätte von Hans-Willhelm Schulze nach dem Tod seines Vaters

1979        Dachgeschoßausbau, 9 neue Zimmer, jetzt insgesamt 20 Zimmer

1982        Übernahme des Betriebes durch Heide Streicher nach dem Tod ihres
                 Bruders Hans-Willhelm

1982/83   Restaurierung und Erweiterung zum Hotel, jetzt 32 Zimmer mit 48 Betten,
                  neue Kegelbahn und neuer Eingangsbereich

1988        Saalerweiterung bzw. Neubau

1990/91   Hotelerweiterung auf 46 Zimmer mit 75 Betten, neuer Hoteleingang und Wintergarten

1993        Errichtung des Mühlenhofes mit seinen Pavillons

1994        Vergrößerung der Allerterrasse mit Brückensteg und Kinderspielplatz

1995        Renovierung der Bierdiele

1996        Erweiterung des Hoteltraktes um weitere vier Zimmer, Umwandlung des Betriebes in
                 eine BetriebsGmbH nach dem Tod von Heide Streicher, Weiterführung des
                 Betriebes durch Jürgen Othmer

1997        Eintrag der GmbH ins Handelsregister und Renovierung der Dachgeschoßzimmer,
                 90ster Geburtstag von “Firmengründerin” Elisabeth Schulze

1998        Einzug der nächsten Generation mit Elmar und Christiane Schuster (geb. Streicher),
                 Neubau der Lobby und Rezeption

1999        Erweiterung um die “Heidestube”

2001        Anbau der “Versnuuv-Stuuv”, einer Panoramasauna mit Fitnessbereich,
                 Whirlpools, Dampfbad, Solarium und Dachterrasse

2007        Löschung der GmbH und Eintragung ins Handelsregister als e.K.

                 Der erste "Brackstedter Mühlenmarkt" findet statt

2009/       Komplettentkernung und Neugestaltung von 6 Hotelzimmer nebst Bädern.
2010

2011        Große Feierlichkeiten zum  Jubiläum "100. Jahre Gastronomie & 75 Jahre Familienbesitz"

2014       Sanierung fast aller Altbaubäder und Anbau zweier neuer Juniorsuiten

2015       Neugestaltung des Innenhofen uns Eingangsbereiches im Zuge der Umsetzung der Brandschutzkonzeptes
 

Kleine Anekdoten rund um die Brackstedter Mühle

 
Des Pastors Mahlzeit in der Mühle

Brackstedt - anno 1879 - Der Vorsfelder Pastor und der Rektor der Vorsfelder Schule hatten  in jedem Jahr aus den Dörfern des Kirchspiels Brotkorn und Buchweizen zu bekommen.
Um Michaelis machten sich beide auf den Weg und nahmen das Korn auf den Dörfern in Empfang, am ersten Tag in Kästorf, Warmenau, Brackstedt und Velstove, am nächsten Tag in den Dörfern Richtung Rühen.
Mit dem Einsammeln war man in Brackstedt gegen Mittag fertig. Dazu heißt es “Gegen das, daß dies geschehen, ists Mittag und muß alsdenn der Müller in Brackstedt statt des Korns dem Pastor und seinen bei sich habenden, auch Fuhr- und anderen Leuten, ingleichen dem Rektor mit den seinigen und Fuhrmanne, bei freiem Bier, daß sie für sich und ihn mitbringen, jeder zur Hälfte, eine Mahlzeit geben. - Ist sie verzehret, so geht die Reise nach Velstove ...”
Als nun 1879 diese Berechtigung abgelöst werden sollte, war man sich über den Wert der Mahlzeiten, der ja als Basis für die Berechnung der Ablösesumme diente, absolut uneinig. Die Regierung konnte in Unkenntnis der Verhältnisse nur indirekt helfen, indem sie für Mahlzeiten unterschiedlicher Reichhaltigkeit die üblichen Preise nannte.

Danach kostet

ein Frühstück, bestehend aus Butter, Brot und Branntwein  3 Groschen,
desgl. aus Brot, Butter, Käse und Branntwein 3 Groschen 9 Pfennig,
eine Mahlzeit, bestehend aus Suppe, Gemüse und Fleisch nebst Brot und Butter
4 Groschen,
desgleichen nebst Braten 6 Groschen,
desgl. nebst Reisbrei und Tabak 8 Groschen,
ein Vesperbrot 1 Groschen

Mit dieser Entscheidungshilfe konnte immerhin bezüglich der Speisen eine Einigung erzielt werden. Die Höhe der Ablösesumme solle zehn Mark pro gespeister Person betragen, nur war man über die Anzahl der Personen noch verschiedener Meinung. Pastor und Rektor behaupteten, mit ihren Begleitern und Fuhrleuten seien es sieben gewesen, der Müller Schulze hielt dagegen fünf für zutreffend. Der Pastor schlug nun vor, sich doch auf sechs zu einigen, doch der Müller beharrte auf seinem Standpunkt.
Der Ausgang der Auseinandersetzung ist nicht bekannt, der zugehörige Vorgang war nicht auffindbar.

Mühlen-Geschichtliches - Bemerkungen zur Mühle Brackstedt

Brackstedt - Müller Claus Hans (1670) gehört nicht in die Reihe der Mühlenbesitzer. Hier ist dem Verfasser ein Irrtum unterlaufen. Die damals übliche Schreibweise, wie z.B. “Müller/Claus, Hans”, verführt allerdings zu einer falschen Deutung. Richtig ist: Dieser Mann war kein Müller, sondern hieß so mit Familiennamen. Sein Vorname war Hans und er saß auf Clausen Hof (wohl dem Vollkothof Nr. ass. 10). Müller genannt Claus, Hans.
Vater des im Buch genannten Peter Müller (1619-1689) war Günter Möller. Kirchenbuch Vorsfelde: Begraben den 21.4.1665, Günter Möller, der alte Möller zu Brackstedt.
Peter war der älteste Sohn. Es gab noch einen jüngeren, namens Andreas, und 3 Töchter, von denen die eine Burköter (= Goes) in Brackstedt heiratete. Die beiden anderen waren mit Peter Nieper in Croya und Henning Pape in Hoitlingen verheiratet.
Peter heiratete um 1647 (Ehevertrag vom Herbst 1647, 21 Alt Bd. 1115) Irmgard Thiele, Tochter des Peter Thiele aus Hoitlingen. Das Paar lebte 1655 in Hoitlingen und übernahm mit Rezeß vom Juni 1655 (21 Alt Bd. 1115) die Mühle in Brackstedt. Einige Monate vorher (Übergabevertrag vom 6.2.1655, 21 Alt Bd. 1115, S. 235) hatte der Vater Günter Möller seinem jüngeren Sohn Andreas zugedacht:
“Zu wissen, als Günter Möller von Brackstedt bey sich befunden, das Er alters und Unvermögens halber Seiner Mühle nicht länger vorstehen ... kann, hat er dieselbe Seinem jüngsten Sohne Andreas ... übergeben ...”
Entgegen dieser Absprache einigte man sich in einem neuen Vertrag (21 Alt Bd. 1115, S. 237) im Juni 1655 auf die Übernahme der Mühle durch Peter. Andreas erhielt jetzt nur noch eine Abfindung.
Am 12.Juni 1729 starb der Müller Joachim Möller in der Brackstedter Mühle im Alter von 30 Jahren. Er hinterließ Frau und 3 Kinder im Alter von 4, 7 und 9 Jahren.
Seine Witwe Anna Catharina geb. Niemann heiratete in zweiter Ehe am 7.2.1730 Henning Andreas Gade, ein Müllersohn aus Heiligendorf, der bis dahin in der Brackstedter Mühle als Müllerbursche tätig gewesen war.
Zu dieser Heirat wurde am 28.1.1730 beim Adligen Gericht Wolfsburg ein Ehevertrag erstellt (WF 21 Alt Band 1117). Gade wird darin für 18 Jahre als Interimswirt der Mühle eingesetzt. Danach sollen die Kinder aus der Frau 1. Ehe das Erbe antreten. Das ist wohl auch so geschehen, denn Gade war 1757 in der Schillermühle in Heßlingen tätig.
Der Ehevertrag enthält eine Liste über das  “Inventarium, wie Henning Andreas Gade die Güter gefunden:

1) An der Mühle ist das ganze Grundwerk neu mitsamt  denen Rädern und Mühlengerüste.
    Der obere Mühlen-Läufer ist 13 Zoll hoch, der unterste nur  4 Zoll. 4 Picken,
    1 Schellhammer, 1 Spitzpicke, 1 Setzeisen.
2) Das Wohnhaus von 10 Verbind ist alt und baufällig und muß ehestens neu
    gebaut werden.
3) Ein alter Stall, 4 Verbind, der dachlos ist.
4) Ein Backhaus mit 2 Backofens, ziemlich im Stande
5) Eine alte Brücke, muß gleich neu gemacht werden
6) Die Gärten haben Zäune, wovon wenig Neues ist.
7) Der Boden im Hause ist mit alten Dielen beleget.
8) Einen beschlagenen Hinterwagen.
9) Ein Plock-Vorwagen mit allem Zubehör.
10) 1 alter Pflug und 2 gute Eggen.
11) 1 Wagenkette und 1 Koppelkette
12) 1 alten Mistwagen, sowenig noch tauget
13) 2 neue Sielen, 1 alter Sattel, so angeflickt ist
14) 2 gute Zäume mit Leitseilen, 2 Halskoppeln, 4 Wagenleitern, als 2 kleine und 2 große
      1 Wagenbrett , 2 Grepen, 1 Misthaken, 1 Heuforke, 1     große Leiter am Hause,
      1 Balkenleiter, 1 Branntweinsblase, kupfern, so 18 Eimer Wasser ungefähr eingehen
      1 alter, großer Kessel, kupfern, a 12 Eimer Wasser, 1 alter dito a 6 Eimer Wasser
      1 neuer kupferner Kessel a 3 Eimer, 1 Messingkessel a 2 Eimer, 1 kleiner dito a 1 Eimer
      1 kleines Fischkesselchen von 3 Quart, notdürftiges Töpfernzeug, 1 zinnerne Schale
      und 6 Löffel dazu, 1 Dutzend hölzerne Teller, 1 altes Fischnetz, 1 alter Kahn
      1 Tisch in der Stube, 1 neuer Waschtisch, 1 neue tannene Bank, 6 Schemel, so alt
      1 Großvaterstuhl, so ausgenähet, 1 tannene Lade, 1 Spinnstuhl mit Juchtenleder
      beschlagen, 1 neuer Kleiderschrank, 1 Kiste, 1 großer Kasten, noch 1 kleinen,
      wohl beschlagen, 1 alte Lade, 1 alte Schneidelade mit dem Messer, notdürftiges Zeug
      an Tubben, Fässern und Eimern, 1 Sense, 1 Axt, 1 Beil, 1 Barte, 2 alte Sensen,
      2 lange Bohrer und 2 kurze Bohrer, 1 Brett-Säge, 1 Quer-Säge, 1 Span-Säge,
     16 Stöcke alte Immen mit etwas Futterhonig

an Viehe:
6 gute Ochsen, 1 Stier, 6 Kühe, meistens zu 5 Jahren, 3 Rinder, 1 säugend Kalb, 2 große Schweine, 3 Pölke, 2 gute Pferde, so schon etwas alt sind. 20 Hühner und 1 Hahn, 6 Enten, 12 Paar Tauben

Über Winter ist an Roggen ausgesät 20 Himten und 3 Himten Gerste.

An Betten sind vorhanden für Herr und Frau ein aufgemachtes Bette, wie auch 3 dergleichen fürs Gesinde”

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